CastTec 2014 Bankett

Am Abend des Donnerstag, 20. November 2014 laden wir Sie herzlich zu einer
attraktiven Abendveranstaltung in der „Hechelei“ des Ravensberger Park ein.

Beginn der Abendveranstaltung 20.00 Uhr (Eintreffen der Gäste ab 19.30 Uhr) mit einer kurzen Begrüßungsansprache durch den CastTec Programmausschussvorsitzenden Herrn Prof. Ernst P. Warnke mit Eröffnung des Buffets.

Im historischen Ambiente der Hechelei mit gusseisernen Säulen bietet Ihnen das CastTec 2014 Bankett bei leckeren Speisen und Getränken ausreichend Gesprächsgelegenheiten. Die Veranstaltung endet gegen 24.00 Uhr.

Für den Hin- wie den Rücktransport (Hotel Bielefelder Hof – Hechelei und Hechelei – Hotel Bielefelder Hof) werden Shuttle-Busse zur Verfügung stehen.
Abfahrtzeiten und weitere Einzelheiten werden hier zu einem späteren Zeitpunkt sowie vor Ort während der Veranstaltung bekannt gegeben.

Für diejenigen, die nach dem Ende der Vortragsprogramms am Donnerstag, 20.11.2014 und vor Beginn der Abendveranstaltung nicht ihr Hotel aufsuchen möchten, bietet sich zur Überbrückung der Wartezeit ein Besuch im Historischen Museum auf dem Gelände des Ravensberger Park an.


Auch hierzu werden wir nähere Informationen hier zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.






Interessantes und Historisches zum Veranstaltungsort:


Die Hechelei

In der Alten Hechelei wurde zu Spinnereizeiten seit 1895 der Flachs „gehechelt“ („gekämmt“)
Nach einem langen „Dornröschenschlaf“ wurde das Gebäude von der Ravensberger Park Veranstaltungs GmbH 1993 erworben. Aus der ruinösen Restsubstanz des ehemals 2-flügeligen Gebäudes entstand ein multifunktionaler Veranstaltungsraum auf zwei Ebenen. Der im Krieg komplett zerstörte Gebäudeteil dient mit seinem dichten Platanen -Blätterdach als Biergarten, der auf Wunsch bei Veranstaltungen mit genutzt werden kann.
Anfang 1995 eröffnete die „Hechelei“ ihre Pforten und entwickelte sich seitdem zum gastronomischen Zentrum im Park.
Wurden in den Anfangsjahren primär Disco-Events und Konzertveranstaltungen durchgeführt, verlagerte sich das Angebot im Laufe der Jahre. Der Nachfrage nach einer außergewöhnlichen Location mit historischem Charme in Verbindung mit hochwertiger Gastronomie wird nun verstärkt Rechnung getragen.
Ob Firmenevents, Tagungen, Präsentationen, Hochzeitsfeiern – hier findet der Gast das „gewisse Etwas“.

Das Hecheln

Der Flachs kam geröstet und geschwungen aus dem Bielefelder Umland, aber auch aus Belgien oder Russland.  
Um die Flachsstempel vom letzten Pflanzenholz zu befreien, wurden sie „gehechelt“.
Die langen, qualitätsvollen Flachse wurden sortiert, von Hand angehechelt („gekämmt“) und dann den Hechelmaschinen zugeführt. Beim anschließenden „Handspitzen“ zog der Arbeiter die Flachbündel einige Male mit einer leichten Handdrehung durch die „Hechelei“ und erzielte damit die größtmögliche Feinheit der Fasern.
Diese Handarbeiten verrichteten ausschließlich Männer, sogenannte „Spitzer“ - sie verdienten den höchsten Akkordlohn in der Spinnerei. Ihre Tätigkeit zählte zu den qualifiziertesten, war jedoch äußerst anstrengend und gesundheitsschädlich. Stehend in gebückter Haltung, unter stetigem Einsatz von Muskelkraft, verbrachten die „Hechler“ ihren Arbeitstag in trockener Luft mit hoher Staubentwicklung.

Geschichte der Ravensberger Spinnerei

Im Jahre 1988 ist die Ravensberger Spinnerei nach einer über 130jährigen Geschichte in Konkurs gegangen. Sie war im 19. und 20. Jahrhundert eine der größten Flachsspinnereien Europas. Zuletzt war sie eine der beiden Spinnereien, die in der Bundesrepublik noch Flachs verarbeiteten und der letzte große Textilbetrieb in der ehemaligen Leinenstadt Bielefeld.

1854 gab es in Bielefeld viele arbeitssuchende Weber und Spinner und auch viele erfahrene Textilkaufleute mit entsprechender Kapitalkraft. Der erste erfolgreiche Schritt zur Gründung einer Textilfabrik ging jedoch von den Söhnen eines zugewanderten ungarischen Knechts aus. Die Brüder Carl und Theodor Bozi, die als Garnkaufleute im irischen Leinenzentrum Belfast die guten Absatzchancen der mechanisch hergestellten Garne erkannt hatten, gründeten im Jahr 1851 Bielefelds erste Spinnerei.

Der erfolgreiche Start dieses Betriebes einerseits, die Strukturkreise des Leinenhandels, die sich zu Beginn der fünfziger Jahre durch eine akute Absatzkrise verschärfte andererseits, führte schließlich zu einer Initiative von Hermann Delius, einem Teilhaber der führenden Bielefelder Leinenhandlung von E.A. Delius & Söhne. Auf seine Anregung hin beschlossen im Jahr 1854 mehrere jüngere einheimische Leinenhändler die Gründung der Ravensberger Spinnerei.

Für den Aufbau und die technische Leitung der Ravensberger Spinnerei verpflichtete Delius einen der ersten Spinnereifachleute Preußens, Ferdinand Kaselowsky. Einen Bauplatz in der Senne, den er als Standort für die Spinnerei ausgewählt hatte, wurde von den Bozis aufgekauft. Sie fürchteten die neue Konkurrenz. Mit Blick auf die Lage zur Eisenbahn und die Möglichkeit zur Wassergewinnung wurde dann das Gelände im Bielfelder Osten ausgewählt. Die ersten Fabrikgebäude der Ravensberger Spinnerei entstanden unter Verwendung englischer Architekturvorbilder innerhalb eines Jahres.

Die Bedeutung der Spinnerei für die Stadt und Umgebung bestand darin, dass sie vielen arbeitslosen Webern, Spinnern und Heuerlingen Arbeit gab. Durchschnittlich wurden dort 1.500 Menschen beschäftigt. Die Spinnerei brachte in der Frühphase zehn Prozent der kommunalen Steuern auf. Diese wirtschaftliche Position hatte auch Einfluss auf die Entwicklung der städtischen Infrastruktur. Der Standort der Spinnerei wurde verkehrstechnisch gut mit der Innenstadt verbunden.

Die Textilindustrie war in der Frühphase der Industrialisierung für den hohen Anteil der Kinder- und Frauenarbeit, für lange Arbeitszeiten und niedrige Löhne bekannt. Bei einer effektiven Arbeitszeit von 12 Stunden war der Arbeitsbeginn morgens um 5.30 Uhr und dauerte bis 19.00 Uhr. Fünf Minuten vor Arbeitsbeginn musste jeder an seinem Platz stehen, sonst erhielt er eine Strafe, die mindestens ein Viertel seines Arbeitsverdienstes ausmachte.

Produktionsprozess

Die Arbeit lässt sich am besten mit dem Ablauf des Produktionsprozesses beschrieben. Die langen Flachsfasern wurden ballenweise von der Spinnerei gekauft und zunächst „gehechelt“, das heißt durch eiserne Kämme gezogen. Die langen Flachsfasern wurden auf Anlegemaschinen gebracht und von dort aus zu einem endlosen Band geformt. Im anschließenden Strecken wurden die Faserbänder verdünnt. Die kurzen Flachsfasern, das sogenannte Werg, wurde zunächst sortiert und dann nach gleichbleibender Qualität gemischt. Zu diesem Zeck liefen die Fasern über „Karde“, eine Maschine mit Nadelwalzen, die sich gegeneinander drehten. In der Karderie war die Staubentwicklung noch größer als in der Hechelei. In dem 30 Meter langen Saal konnte man von einem Ende nicht zum anderen sehen...

Die entgültige Garnherstellung erfolgte im Nassspinnverfahren. Der Faden lief zur Reinigung durch heißes Wasser und wurde dann auf Spulen gedreht. Die Arbeiterinnen wurden ständig von abfliegenden Wassertropfen besprengt und arbeiteten deshalb ständig in nasser Kleidung. Die spezifischen Arbeitsbelastungen bestanden vor allem in dem hohen Lärmpegel der Maschinen, der Wärme, der Feuchtigkeit und der Staubentwicklung – deshalb zählte die Arbeit in der Spinnerei zu den gesundheitsschädlichsten Tätigkeiten in der industriellen Arbeitswelt. Diese schlechten Arbeitsbedingungen und umfassende spätfeudale Abhängigkeit der Arbeiter von ihrem Arbeitgeber trugen dazu bei, dass einheimische Arbeitskräfte die Spinnerei so weit wie möglich mieden.

Der erste Arbeitskampf fand 1890 statt. Er hatte neben der Senkung der Arbeitszeit und der Erhöhung der Löhne auch das Ziel der Abschaffung einiger menschenverachtender Regelungen: So sollten beispielsweise die sogenannten „Schandtafeln“, auf denen Verstöße gegen die Arbeitsordnung öffentlich notiert waren, beseitigt werden. Die Ravensberger Spinnerei wurde im Volksmund als „Zuchthaus“ bezeichnet.

Kriegs-Konjunktur

Der Sezessionskrieg in Nordamerika führte zu einer Verknappung der Baumwolle in Europa und zugleich zu einer steigenden Nachfrage nach Leinen und einer Blütezeit der Ravensberger Spinnerei. In dieser Zeit wurden zwei neue Bleichen gekauft und ein Zweigwerk in Wolfbüttel gegründet. Das Fabrikschloss der Spinnerei wurde mit einer Mauer umgeben.

Auch in der Zeit des ersten Weltkrieges war Baumwolle knapp und die Nachfrage nach Flachsgarn stieg wiederum an. Den Erzeugern wurden Abnahme und lohende Preise garantiert um den Nachschub an Rohstoff sicherzustellen.

In der Weimarer Republik kamen auch die Flachsspinner in eine große Krise. Die zunehmende Organisierung der Textilarbeiter in Gewerkschaften führte dazu, dass Arbeitszeiten und Löhne nicht mehr fest gesetzt werden konnten. Der Ausbau der Sozialpolitik führte zu steigenden Lohnnebenkosten und Steuerbelastungen. Ausschlaggebend waren jedoch drastische Schwankunden der Flachspreise, die überwiegend vom russischen Markt ausgingen. Von Dezember 1925 bis Juli 1926 wurde die Ravensberger Spinnerei stillgelegt. Als Grund gab die Fabrikleitung das Missverhältnis zwischen den Produktionskosten und den Garnpreisen an. Danach lief der Betrieb in eingeschränktem Maße wieder an. Die Schulden der Spinnerei wurden durch Aufnahme eines Kredites bei der Reichskreditgesellschaft abgedeckt.